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IM WEGE STEHEND VI – Zweihundert Jahre Zweirad

Bis 15.10.17 rund um den Schlossplatz

1817 ist das Jahr, in dem die Welt zum ersten Mal einen Fahrradfahrer erleben konnte. Und dies geschah am 12. Juni auf einer flachen Chaussee zwischen Mannheim und Schwetzingen. Der badische Erfinder Karl Drais sollte damit Technikgeschichte schreiben und gilt auch international als der Zweiradpionier schlechthin. 2017 begeht das Fahrrad seinen 200. Geburtstag und soll nun im Rahmen der Kunststellung „Im Wege stehend VI.“ der Stadt Schwetzingen im öffentlichen Raum der Stadt gefeiert werden.

Das Thema dieser Outdoor-Schau ist also jenes Jubiläum, und gesucht waren künstlerische Zweiräder aller Art, die aufzeigen können, wie kreativ man mit der Erfindung des Herrn Drais heute umgehen kann. Zehn Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland wurden gefunden und präsentieren ihre Werke nun bis zum Herbst rund um den Schwetzinger Schlossplatz. Hier wird zum Beispiel das Künstlerduo Braunbehrens & Neumeier (Ebertsheim, Ingol-stadt) mit einem rätselhaften Turm aus 9 Fahrrädern, die rund um einen Laternenpfahl verschweißt wurden, einen eindrucksvollen Blickfang bieten. Etwas unauffälliger ist die Arbeit von Michael Volkmer aus Ludwigshafen, der einen Fahrradsattel, der ihm einst bei einem Unfall das Leben rettete, als vergoldetes Mahnmal aufgerichtet hat.
Geht man am Palais Hirsch vorbei in Richtung Dreikönigsstraße finden sich zwei formalästhetisch reizvolle Objekte, eine große Zeichnung aus rotem Draht in Form eines Zweirades von Werner Bitzigeio (Winterspelt/Eifel) und viele zu einer Kette verschlungenen Vorderräder des Düsseldorfer Kunstprofessors Marcus Jansen. Die Mannheimerin Susanna Iris Weber entführt uns mit ihrem „Aquamobil“ in die Wüste, ein Fahrrad, das wie ein Esel hundert PET-Wasserflaschen trägt und damit auf den Klimawandel anspielen will, den die Welt so nicht fürchten müsste, wenn wir alle ausschließlich Fahrrad fahren würden.

Geht man zurück in Richtung Rathaus sieht man auf dem kleinen Pigage-Platz neben dem Schloss eine große Stahlplastik von Immanuel Eiselstein aus Ludwigshafen. 600 kg schwer erinnert sie an futuristische Kunst und ist eine dynamische Abstraktion des Themas. Ganz konkret und realistisch hingegen sind die Holzskulpturen des Kölner Bildhauers Peter Nettesheim: Ein dunkelhäutiger Rennradfahrer steht bzw. fährt vor der Pankratiuskirche, scheint die Verkehrsvorschriften nicht zu beachten und irritiert so die Autofahrer. Daneben hebt sich ein zum Luftrad umgebautes Fahrrad des ebenfalls in Köln lebenden Künstlers Björn Schülke empor, das zwar nicht wirklich fliegen, so doch unsere Phantasie beflügeln kann.